bewegen, Körper, Transformation
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Was bewegt mich? Wenn die fiesen Fragen kommen… lauf los!

Was bewegt mich? Foto: Dorothea Mueth

Die Frage, was mich wirklich innerlich und zutiefst bewegt, stelle ich mir oft. An manchen Tagen kann ich auf meine Depri-Stimmung und die Sinnfragen, die sich dann gerne auftun, nur mit der Ahnungslosigkeit von Ich weiß es nicht“ und meinem inneren Trotz reagieren: „Gar nichts bewegt mich.“ „Es ist nichts los und schon gar nichts, was ich toll finde!“ oder „Was soll mich denn schon bewegen?!

Was bewegt mich? Foto: Dorothea Mueth

Was bewegt mich?

An anderen Tagen, die nicht hier, nicht dort, weder gut noch schlecht sind, beantworte ich mir die Frage oberflächlich mit „Ja, also das Buch, das ich gerade lese, ist echt toll…“ oder „Das Gemüsegratin gestern war richtig lecker“. Und doch weiß ich, dass mich die Frage nach dem, was mich erfüllt und antreibt, auch ganz woanders hinführen kann – so ich mich denn darauf einlasse.

Die Spur führt nach innen

Was bewegt mich in der Tiefe, was berührt mich, was trägt mich? Wenn ich mir diese Frage stelle und dann den Spuren dessen folge, was in mir passiert… wenn ich meinem Inneren lausche, dann kann sie mich zu meinem Kern führen.

Theoretisch weiß ich „das alles“. Aber ich brauche mehr, als es theoretisch zu wissen. Ich will meiner Frage auf den Grund gehen und die Antwort fühlen. Will erfahren, spüren und merken, dass ich ganz erfasst und durchdrungen bin von dem, was mich bewegt.

Da sitz‘ ich also, gelangweilt vom Leben, und stelle mir Fragen und denke mir mit meinem schlauen Hirn Lösungen aus. Da lümmle ich in einer Sofaecke und grüble über den Sinn des Lebens nach. Endlich merke ich selber, dass mir das recht wenig bringt im Moment. Ich will raus aus dem Kopf!

Ich setze mich in Bewegung

Ich setze mich in Bewegung

Ich stehe auf… schnappe mir die Jacke… und… setze mich in Bewegung. Ich gehe los. Ich bin mir selbst die Freundin, die sagt: „Komm, lass uns ein paar Schritte zusammen gehen.“

Ganz in echt: Mich in Bewegung setzen

Die ersten Meter sind zäh. Ich schleppe mich voran. Setze Fuß vor Fuß und nörgele innerlich weiter, verschließe mich der Schönheit der Natur und bin dabei sehr verbunden: mit meinem Problem und meinen Verstrickungen.

Macht nix, ich geh‘ einfach weiter. Meine Füße tragen mich und ich sehe erstaunt, in welch kurzer Zeit die Natur die Landschaft verändert hat. Dann werde ich wieder von meinem inneren Theater abgelenkt, es ist einfach da und: nervt! Doch ich gehe weiter.

Fuß vor Fuß

Ich setze einen Fuß vor den anderen… oder tun die Füße das selbst?

Nach einer halben Stunde sieht die Welt ein bisschen anders aus. Plötzlich fallen mir Dinge ein, die man durchaus als positiv bezeichnen könnte. Meine Gedanken formen Sätze wie „Es ist schön hier“ oder „Die Luft tut unheimlich gut“.

Ich bin selbst überrascht, aber noch skeptisch. Und ich laufe weiter. Ich bemerke, wie mein Problem dadurch zwar nicht weg ist, aber mich nicht mehr voll und ganz beherrscht. Dieses In-Bewegung-Sein ist echt der Hammer. Durch die Bewegung aus mir heraus und auch, weil sich meine Umgebung ständig mit verändert, entsteht ein Mich-lebendig-Fühlen. In dieser Lebendigkeit halte ich mich auf.

Alles Leben ist Bewegung

Zu realisieren, dass wir immer in Bewegung sind, dass uns immer etwas bewegt, dass Bewegung überall ist, ob in uns oder um uns – das ist der erste Schritt. Ein Schritt ins Leben, ein Schritt ins Sein und ins Jetzt.

Und dann Antworten wie „Ich weiß es nicht“ anzuerkennen. Oder den Schmerz mit auf den Weg zu nehmen, ohne dass er Hauptakteur ist, und mutig und geduldig weiterzugehen.

Ich bin der Spur gefolgt und dabei bei mir gelandet. Dafür bin ich dankbar. Jetzt im Moment suche ich nicht mehr nach diesem Etwas – „etwas, das mich bewegt“. Sondern ich fühle, dass ich in Bewegung bin, dass ich lebendig bin und meine Bewegung im Einklang ist mit der Bewegung des Lebens, mit dem „Rhythm of Life“ (what a powerful beat)!

Ich bewege mich im Einklang mit den Rhythmus des Lebens

Ich bin in Bewegung und im Einklang mit dem Rhythmus des Lebens

Die Beine in die Hand nehmen

Ich bestärke dich und mich und uns alle darin, dass wir unseren Fragen auf den Grund fühlen – auch wenn eine Antwort nicht gleich zur Stelle ist. Dies ist eine Ermutigung, uns immer wieder in der Tiefe bewegen zu lassen, gerade weil wir nicht wissen, was dort schlummert und erweckt werden will.

Meine Empfehlung für heute: Nimm so viel Anlauf wie du brauchst und lauf einfach erst mal los – dann tut sich schon was…

Wenn Bewegte sich treffen

Rainer Maria Rilke hat ein Gedicht mit dem Namen „Was mich bewegt“ geschrieben. Es ist mir begegnet, nachdem ich diesen Text verfasst hatte. Ich war erstaunt, wie unsere Spuren sich bei dieser Frage treffen. Dass dieser Jemand aus einem anderen Jahrhundert etwas ganz Ähnliches ausdrückt, wie ich es hier versuche – mit etwas mehr Poesie.

Rilke endet mit den folgenden Zeilen, die mit Melancholie Mut machen, mir jedenfalls:

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Ein Beitrag von Katrin Strumpf

Katrin Strumpf

Katrin Strumpf

In meinem Alltag erfahre ich, dass die Mischung aus innerem Bewegt-Sein und freudig-körperlicher Bewegung mich inspiriert und mein Leben bereichert. Bewegung ist ein wichtiger Aspekt meines Lebens, ob beim Spazierengehen, auf Reisen oder beim Tanzen.

Es bewegt sich auch etwas, wenn ich Teil einer bewegten Unterhaltung bin, oder ich in meiner Heilpraxis Menschen dabei unterstütze, sich zu entfalten. Es ist mir eine Freude, diesen Kreislauf des Lebens aus stillem Sein und aktiver Bewegung bewusst mitzubekommen und wahrzunehmen: Alles schwingt.

Lektorat und Fotos (4): Dorothea Mueth

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