Ritual, Transformation
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Vertrau dem Feuer – es ist Kraft, die verwandelt

Blicke in die Flammen, und das Feuer gibt dir Antworten. Foto: Dorothea Mueth

Es fällt uns oft sehr schwer, Liebgewordenes loszulassen: Zigaretten, die ich längst aufgehört haben wollte zu rauchen. Muscheln, die ich nicht wegwerfen kann. Und immer noch Sehnsucht nach einem Typen, mit dem sich eine Partnerschaft doch schon vor Monaten als unrealistisch erwiesen hat… Wir halten daran fest, auch wenn wir im Inneren wissen, dass seine Zeit vorbei ist. Eine Kraft, die dabei unterstützt, solche Verklebungen und Anhaftungen aufzulösen, ist das Feuer.

Foto: Dorothea Mueth

Blicke in die Flammen, und das Feuer gibt dir Antworten

Festgewordenes wird Rauch und Staub

Indem du das, was dir so schwerfällt hinter dir zu lassen, dem Feuer übergibst, schaffst du ganz praktisch Platz für Neues. Denn zunächst ist das, was du verbrennst, ja dann weg. Doch keine Angst und nicht zu früh gefreut: Es ist auch nicht „nichts mehr da“. Übrig bleiben Rauch und Asche.

Am Feuer öffnest du dich energetisch und richtest dich aus auf Veränderung und Weiterentwicklung. Nach dem Energieerhaltungsgesetz geht nichts verloren. Das, was das Feuer verbrannt hat, hat sich tatsächlich verwandelt. Der Rauch wird mit dem Wind weitergetragen, die festen Bestandteile haben sich in Asche transformiert.

Und Asche ist fruchtbar. Sie ist ein Düngemittel für Pflanzen und außerdem sehr sauber: Alles hat schließlich bei 250 bis 900 Grad Celsius gebrannt. Asche ist auch ein alte Zutat zur Herstellung von Seife.

Lass los, was dich begrenzt

So wie mit Holz und Papier geht es auch mit anderem, das du bewusst und vertrauensvoll ins Feuer gibst: Kleidung, die du ablegen willst, oder ein Gefühlszustand, aus dem du dich befreien möchtest. Ihn kannst du auf ein Stück Papier schreiben oder ein Symbol wie Ast, Stein, Blume dafür finden, das du dem Feuer übergibst.

Das, was du dem Feuer übergibst, verwandelt sich

Das, was du dem Feuer übergibst, verwandelt sich

Ich habe nach vier Jahren als Tageszeitungsjournalistin alle meine Notizbücher am Rheinufer verbrannt. Ein Freund hat sich nach 20 Jahren Rauchen entschlossen damit aufzuhören und zur Bekräftigung sein letztes Päckchen Tabak Prise für Prise ins Feuer gegeben.

Das Feuer gibt Antworten

Doch auch, wenn du gar nichts Konkretes hast, was du dem Feuer übergeben willst, bringen die Flammen dich weiter. Wenn du eine Weile ins Feuer schaust – einfach so, wie du bist, und mit dem, was dich gerade beschäftigt – dann wird dir ein Aspekt des Feuers ins Auge springen, etwas an der Form und Dynamik der Flammen auffallen. Und das wird dir etwas sagen: einen Hinweis, den du womöglich unbewusst schon in dir getragen hast.

Während meiner fünf Monate in einem Ashram im Himalaya saß ich jeden Morgen und Abend in der Dämmerung am Feuer, und es hat mich nie im Stich gelassen. Auch wenn ich gar nichts erwartet hatte, bin ich immer erleichterter, gelöster vom Feuer weg gegangen als zu ihm hin.

Feueropfer, Feuergeist, Feuersprung

Daher ist das Feuer vielen Kulturen heilig: Im Hinduismus z.B. symbolisiert das Opferfeuer den Mund der göttlichen Mutter. Du opferst ihr das Süßeste, Beste im Bewusstsein des kosmischen Energiekreislaufs. Die Asche aus solchen spirituellen Feuern gilt als geistig und körperlich reinigend: Du kannst dir eine Fingerspitze auf die Stelle des dritten Auges (zwischen den Augenbrauen) und die Zunge tupfen.

Im indianischen Schamanismus spendet das Feuer Kraft, Lebensfreude und Segen. Es ist eines der vier Elemente. Aus ihnen bist auch du körperlich und geistig gemacht und immer mit ihnen verbunden.

Erde meine Mutter, Himmel mein Vater ~ Feuer, Erde, Wasser und Luft ~ ich bin…

Du kannst den Feuergeist rufen, zum Beispiel mit Liedern: So bittest du die Wesenskraft des Feuers um Unterstützung.

Die Perser springen zu ihrem Neujahr Mitte März übers Feuer: Dabei lassen sie alle negativen, gelben Energien los und nehmen alle positiven, roten Energien aus den Flammen mit ins neue Jahr.

Feuer an vielen Orten – finde deinen Platz im Licht

Seit ich um die Transformationskraft des Feuers weiß, habe ich es an vielerlei Orten entzündet: In mini auf einem Teller auf dem Fußboden meiner Wohnung (pssst…!), in einer Feuerschale auf der Terrasse, am Ufer des Rheins, und in riesig auf freiem Feld, sodass es noch am nächsten Morgen glühte.

Du spürst, welche Form jetzt für dich passt. Und du erspürst deinen persönlichen Raum in Kommunikation mit dem Feuer: Es wärmt und erhellt dich, doch kommst du den Flammen zu nah, verbrennst du dich oder deine Kleidung. So findest du deinen Platz im Licht.

Feuermachen: Alles gehört zum Prozess

Wenn du dich bereit machst, etwas dem Feuer zu übergeben, dann gehört alles, was du dafür tust, dazu: das Holzbesorgen oder Sammeln im Wald, das Aussuchen des Feuerplatzes, das Entzünden (das oft Geduld braucht), das Schüren des Feuers, das in die Flammen Sehen, das Singen, Trommeln, Tanzen, Schweigen, das Übergeben deines Themas, das mit dir und mit dem Feuer Sein… und schließlich auch zu erkennen, wann es Zeit ist, die Flammen niederbrennen zu lassen.

"Arunachala" heisst auf Deutsch übersetzt "rot und hell wie Feuer strahlender Berg".

„Arunachala“ heisst auf Deutsch übersetzt „rot und hell wie Feuer strahlender Berg“

Und dann? Dann nimm wahr… Vielleicht ist die Enge weiter geworden, vielleicht ist zu den Vorwürfen, die du in dir trägst, Mitgefühl hinzugekommen. Vielleicht spürst du Freiheit statt Abhängigkeit oder eine neue Dankbarkeit. Du fühlst dich klarer, näher bei dir und mehr in deiner Kraft – spätestens am nächsten Morgen!

Ich möchte dich einladen, mit dem Feuer in Kontakt zu treten. Probier aus, wie es ist, dich ihm anzuvertrauen, und was dann ist. Ich freue mich, wenn du deine Erfahrung hier teilst … und ich wünsche dir von Herzen leuchtende Loslasskraft!

Ein Beitrag von Dorothea Müth

Meine erste spirituelle Begegnung mit dem Feuer war 2011 in Südindien auf einer Postkarte des Bergs Arunachala: Das Bild zeigt dort einen Mann in betender nächtlicher Kommunikation mit dem lebendigen Licht, und ich war fasziniert – ohne damals recht zu verstehen, wieso.

Ich durfte dann einige indianische Schwitzhütten feiern, wofür Steine mehrere Stunden in einem großen Feuer erhitzt werden. Ich bin über glühende Kohlen gelaufen in dem Wunsch, hohe Erwartungen loszulassen. Während eines halben Jahrs in Indien habe ich täglich am Feuer meditiert.

So ist es wohl kein Zufall, dass ich ayurvedisch gesehen ein Feuer-Typ mit großer Verdauungskraft bin, dass Freundinnen in mir einen Feuer-Drachen sehen, und dass mein inneres Kind als Rumpelstilzchen ums Feuer tanzt. Ich kehre immer wieder zum Feuer zurück…!

Fotos (3): Dorothea Mueth. Lektorat: Sandra und Katrin – danke!

1 Kommentare

  1. silke sagt

    Toll, es ist online! Alles Gute für das Blog und viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Bloggen!

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