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Mit Tieren lernen: Wenn Nachrichten in dein Leben fliegen

Zottiges Fell, große braune Augen und Hörner: Das Bison vermittelt urtümliche Kraft. Foto: Dorothea Müth

Manchmal fällt ein Tier besonders auf. Du bewunderst das reine Weiß eines Schwanengefieders, bist fasziniert von der Urtümlichkeit einer Bisonherde oder lauschst einem Specht. Das Tier erregt die Aufmerksamkeit mehrmals hintereinander oder es beeindruckt mit nur einem Mal stark. Diese Begegnung kann dir etwas bedeuten: Es gibt etwas zu lernen von diesem Tier. Es unterstützt dich bei einer aktuellen Frage oder Aufgabe. Wie ? Drei Beispiele:

Zottiges Fell, große braune Augen und Hörner: Das Bison vermittelt urtümliche Kraft. Foto: Dorothea Müth

Zottiges Fell, große braune Augen und Hörner: Das Bison vermittelt urtümliche Kraft. Foto: Dorothea Müth

Der Specht klopft ans Herz

Es war Neujahr, ein stiller, feuchter, grauer Tag. Es schien, als sei ich die einzige, die an diesem Ende des Westerwalds unterwegs war – verwirrt von den Ereignissen der Silvesternacht; mich fragend, was sie bedeuten und wie ich damit umgehen will. Ich spazierte also „im Walde so für mich hin“, als ein Geräusch mich plötzlich aufmerken ließ. Ich lauschte. Leise und bestimmt drang es von hoch oben zu mir herab: Ein Specht! Ich konnte ihn nicht sehen, sondern nur hören, wie er in vielen Metern Höhe auf einen Baumstamm einhämmerte.

Aus meinem Gedankenkreiseln holte mich das irgendwie ins Jetzt. Ich blieb noch eine ganze Weile stehen um dieser Neujahrsmusik zuzuhören. Immer, wenn ich dachte: Jetzt ist er weg, jetzt hat er aufgehört, fing das Pochen von Neuem an. Der Specht hat wohl seinen ganz eigenen Rhythmus aus Klopfen, Pausieren, Klopfen, dachte ich… und erinnerte mich in diesem Moment daran, dass auch in mir etwas in ganz eigenem Takt und ohne Unterlass schlägt: mein Herz!

Lächelnd ging ich weiter: Was auch immer im Außen passiert, mein Herz schlägt für mich. Ein paar Tage später traf ich den Specht wieder. In dem Park, wo ich fast täglich eine Runde drehe und der Specht bestimmt das ganze Jahr über klopft, erreichte ausgerechnet jetzt sein Trommeln erstmals mein Ohr. Drei Schläge, Pause, drei Schläge, Pause… Kein Zufall! Eine Recherche ergab: Als schamanisches Krafttier erinnert uns der Specht tatsächlich an die Kraft des Herzens. An unsere Bedürfnisse und an unsere Fähigkeit zu lieben…

… und mein Herz schlägt für mich!

Okay, dachte ich, hör auf dein Herz – auch wenn dies nicht dem im Kopf gemachten Lebensplan fürs neue Jahr entspricht.

Und es war schön, mir das zu erlauben. Ich wagte ein Date mit meiner Silversterbegegnung. Ich ließ mich ein, auch wenn ich keine Ahnung habe, was daraus werden kann.

Als ich danach wieder ins Räsonnieren kam und die Herzensangelegenheit zu Gunsten von vermeintlich viel wichtigeren Aufgaben beiseite schieben wollte, klopfte sich der Specht noch ein drittes Mal in mein Bewusstsein – bei der Arbeit!

Aye aye, Sir, und danke! Arbeit und Liebe sind nicht zwei getrennte Welten. Nein, Leben bedeutet zu integrieren und es mit Liebe zu tun. Tu alles mit Liebe.

Mit Ruhe und Beständigkeit kommen Bisons kraftvoll voran

Den ersten solchen Tierkontakt hatte ich mit einer Bisonherde. Ich war beklommen und mit Ungewissheit unterwegs. Arbeitsvertrag  und Weiterbildung zu Ende, Partnerschaft zu Ende und vor mir eine große Leere. Die Aufgabe, mir neue Arbeit und einen anderen Lebensmittelpunkt mit neuen Menschen zu suchen, ohne zu wissen, ob das alles Wochen oder Jahre dauern würde, machte mir Angst. Ich wusste nicht, wo anfangen…

Sie rupfen, kauen und verdauen mit Ruhe. Damit wecken die Bisons Vertrauen ins Leben und in die eigene Stärke. Foto: Dorothea Müth

Sie rupfen, kauen und verdauen mit Ruhe. Damit wecken die Bisons Vertrauen ins Leben und in die eigene Stärke. Foto: Dorothea Müth

In dieser Situation zog mich eine halbwild am Stadtrand lebende Bison-Herde wie magisch an. Ich sah sie zum ersten Mal in warmem Nachmittagslicht auf einer Wiese um eine große Linde grasen. Unablässig rupften, kauten, verdauten sie. Ein paar Kälber waren gerade soweit, dass sie auf staksigen Beinen laufen, spielen und dabei umfallen konnten. Die Mütter sammelten sie dann mit einem sanften Stupser wieder ein, ohne ihr eigenes Grasen zu unterbrechen. Nichts schien sie aus der Ruhe zu bringen.

An einen Hügel gelehnt, beobachtete ich sie lange. Ich staunte über den mächtigen Höcker, von dem aus ihr starker Rücken nach hinten abfällt. Ich fühlte die Kraft, die in dem zotteligen Fell, den Bärten, den weit geschwungenen Hörnern steckt. Kein Wunder, dass dieses Tier schon den nordamerikanischen Indianern besonders heilig war…

Frieden breitete sich in mir aus. Geh deinen Weg – beständig und mit Ruhe. Es ist alles da, was du dafür brauchst. Wenn ich mich mit diesem Vertrauen füllen möchte, fahre ich zu den Bisons und schaue ihnen einfach ein Weilchen zu, was sie machen und wie sie das machen. Dabei öffnet sich mir das Bewusstsein für die Fülle, die Kraft und das Vertrauen, die da sind – in mir und um mich herum.

Bsss… eine Fliege lässt sich nicht verscheuchen

Nicht immer weist ein Krafttier auf Angenehmes hin. Als ichvon einer Reise zurückkehrte, überraschte mich eine Stubenfliegenplage in meiner Wohnung. Konnte das sein? Im November?! Strafe dafür, dass ich den Biomüll nicht rausgebracht hatte?

Es konnte sein. Dutzende summten an Fenstern und Lichtern, putzten sich die Beinchen, knabberten Krümel vom Boden und Schokoladenstückchen aus dem Silberpapier. Und vor allem konnte ich nicht eine Minute in Ruhe meinen Gedanken nachhängen, ohne dass sich ein Plagegeist kitzelnd und nervend auf mir niederließ.

Tja, und was pflegte ich für Gedanken? Ich hing einer zauberhaften Begegnung auf dieser Reise nach. Bsssss… Ich wünschte mir, dass dieser Zauber weiterging… bsssss… doch ein Lebenszeichen des Partners in dieser Begegnung blieb plötzlich aus. Ich war wohl nicht mehr begehrt… bssss… nicht attraktiv genug… Hau ab! – ein Grund, mich ungeliebt, minderwertig, leer zu fühlen? Bsssss…

Ist die Bestätigung eines Mannes etwa meine einzige Quelle der Erfüllung? Bssss….

Essens- und andere Reste

Ich konnte es nachlesen, ich konnte es aber auch live erspüren: Die Fliege provoziert mich. Sie fordert meine Grenzen heraus, meine Geduld und meine Entscheidung. Die, die sich von Essensresten anderer ernährt, weist sie auch auf vermeintlich niedere Tatsachen hin: Auf Eitelkeiten des Egos und Bedürfnisse, die wir vielleicht nicht anerkennen mögen. Die Fliege wird überall verscheucht und kehrt doch unermüdlich zurück. So erinnert sie an Schatten, die gesehen und angenommen werden wollen.

In meinem Fall half selbst ein Leimband, wie ich es eigentlich nur im Hochsommer aufhänge, nicht gegen die Plage. Ein paar Fliegen wollten sich einfach nicht festnageln lassen. Die Aufgabe für mich war wohl, mit ihnen auszukommen. Es dauerte zwei Wochen, bis sich der Fall von selbst erledigt hatte.

Wie erkenne ich die Botschaft?

Das Tier, das mich beeindruckt, erinnert mich also an mich selbst: an Ressourcen, die ich in mir trage und die mir zur Verfügung stehen, und an Gefühle, die ich vielleicht lieber unterdrücken würde.

Wie jedoch erfahre ich dir „richtige“ Botschaft des Tiers? Wie kann ich sie identifizieren und annehmen?

Ich habe dafür zwei Wege gefunden:

  1. Das Tier in seinem Lebensraum beobachten: Wie bewegt und äußert es sich? Wie versorgt es sich mit Nahrung? Was fallen mir für Qualitäten zu diesem Tier ein? Und was bewirkt es in mir, ihm zuzusehen?
  2. Schamanisches Krafttierwissen befragen: Die Informationen in Büchern oder Blogs zu Krafttieren ergeben sich häufig aus dem Beobachten des Tiers. Dennoch sind die vielfältigen Krafttierseiten nicht deckungsgleich, obwohl sie meist einen gemeinsamen Tenor haben. Ich vertraue darauf: Wenn ich mich entspannt öffne für die Wahrheit, dann wird mich genau die Botschaft berühren, die jetzt für mich dran ist. Als meine liebsten Krafttierseiten empfehle ich:

Danke den Betreibenden dafür, dass sie ihr Wissen teilen!

Du bist frei, dir die Unterstützung des Tieres zu veranschaulichen, indem du ein Foto von ihm aufhängst, es malst, eine Feder aufbewahrst oder dir ein Kuscheltier besorgst.

Weiß und weich auf meinem Weg durch den Wald: Federn in anmutiger Blütenform. Was lässt das in mir anklingen? Foto: Dorothea Müth

Weiß und weich auf meinem Weg durch den Wald: Federn in anmutiger Blütenform. Was lässt das in mir anklingen? Foto: Dorothea Müth

Andere Zugänge zur Tierkraft

Auch andere Lehren nutzen den Kontakt mit Tieren, um die Lebenskraft zu stimulieren und sich selbst zu begegnen:

Imitation der Bewegung: Im Yoga ahmen einige Haltungen Tiere nach, zum Beispiel die Asanas von Kobra, Heuschrecke und Adler. Ostasiatische Kampfkünste trainieren ganze Bewegungsabfolgen im Stil eines Tiers;  Shinson Hapkido etwa tanzt Kranich und Affe.

Ähnlichkeit der Energie: Die auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruhende Homöopathie setzt die Energie von Pflanzen und Tieren ein, um den menschlichen Körper an eine Selbstheilungskräfte zu erinnern. Pferdemilch etwa nährt den Teil in uns nach, der sich nach Freiheit sehnt.

Reise: Auf eine schamanischen Krafttierreise gelangt man auf der Seelenebene des Bewusstseins zu einem Tier. Eine Freundin hat mir berichtet: Ihr ist in einer Phase, in der sie sich verlassen und voll Gram fühlte, auf solch einer Reise eine Robbe begegnet, die im Meer mit ihr spielen wollte. „Sie hat mich daran erinnert, dass es in meinem Leben auch fröhliche, spaßige und leichte Seiten gibt.“

Warum und wozu? Das gibt dir lebendiger Tierkontakt:

  • Du spürst dich als Teil der Natur, als Teil eines vielfältigen Ökosystems im Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen. Du bist mit Allem verbunden.
  • Du erhältst Rat und Stärkung, ohne dass dies Geld kostet.
  • Diese Begegnung ist sinnlich. Du siehst und hörst das Tier, berührst es vielleicht und ahmst es nach. So lernst du mit viel mehr Sinnen als etwa bei Schreibtischarbeit und ganzheitlicher als dies geschehen kann, wenn du ausschließlich liest oder diskutierst.
  • Tiere berühren und öffnen unser Herz. Sehr deutlich ist mir das bei einem Kongress geworden, in dessen Anschluss es eine Führung durch den Zoo gab: Aus der Menge der ernsthaften, auf Form bedachten Anzugträger*innen waren auf einmal überraschte Ausrufe, Lachen, Freude zu hören. Manche taten einen spontanen Hüpfer, andere kamen ins Laufen. Die Tiere haben buchstäblich die Fassade zum Bröckeln gebracht. Wenn du mit Tieren in Kontakt gehst, kommst du deinen wahren Bedürfnissen näher.

Ich wünsche dir tierisch gute Inputs!

Wer kam womit in dein Leben? Ich freue mich, wenn du von deinen Erlebnissen hier etwas teilen magst.

Dies ist ein Beitrag von Dorothea Müth

Als Mädchen habe ich mit Kühen auf einem Bauernhof gearbeitet, einen Hund ausgeführt und mir ein Pferd gewünscht. In meinen Wohnungen kam dann aber immer wieder ein anderes Tier zu mir: Oft suchte sich eine Katze ausgerechnet mein Zimmer als Lieblingsplatz aus – oder war es andersherum? Katzen bedeuten mir Entspannung, Kraft und Wohlgefühl – mit sich selbst und mit der Umgebung.

Als ich mich für indianische Rituale zu interessieren begann, wobei Krafttiere als Geisthüter von Himmelsrichtungen und Jahreszeiten gelten, öffnete sich meine Wahrnehmung für diese schamanische Perspektive.

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, zeigt es sich mir als reicher Reigen von Tierbegegnungen: Das Pferd hat mich mit seinem warmem Atem aus weichen Nüstern und mit seinen schlanken, feinen Gliedern an meine Freiheitsliebe erinnert; das Rotkehlchen hat gezeigt, dass zum Leben auch das Sterben gehört und ich trotzdem singen kann; der Schwan auf spirituelle Gnade verwiesen; Ratten und Mäuse auf emsiges, nicht zimperliches Nestbauen; und der Uhu hat das Vertrauen in meine Intuition erweckt…  Auf diese Weise begleiten auch Tiger und Drache das allesleben-Blogprojekt.

Lektorat: Katrin Strumpf

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