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Wo ich Vertrauen ins Leben schöpfe – mein Kraftplatz

Wenn ich eine Auszeit brauche, wenn ich nicht weiß, wie ich mich entscheiden soll, oder wenn mich nach Kontakt mit mir selber hungert, dann gehe ich an meinen Kraftplatz. Es ist ein abgelegener kleiner See. Über einen steilen Pfad gelange ich zu Fuß dorthin und tauche ein in sein weiches Wasser, das mich streichelt, sauberspült, erfrischt. Oder ich sitze auf einem Fels am Ufer und lasse meinen Blick auf der spiegelnden Seeoberfläche ruhen. Hier komme ich zu mir. Hier finde ich heraus, was ich wirklich möchte. Hier schöpfe ich neue Kraft. Doch was eigentlich macht einen Ort zum Kraftplatz? Was schenkt er mir? Und wie findest du deinen? Dazu dieser Beitrag! Wiederkommen dürfen – was ein Kraftplatz ist Mein Kraftplatz ist ein alter Basaltsteinbruch, 30 Meter tief mit Wasser gefüllt und jetzt als Naturschutzgebiet wieder Pflanzen und Tieren überlassen. Er heißt Schwarzer See wegen seiner Tiefe und des dunklen Gesteins. Der schwarze Basalt ist vulkanischen Ursprungs. (Wie mich diese Verschmelzung von Feuer und Wasser fasziniert, habe ich in „Know your landscape – know your job“ …

Blick auf Koblenz: Gelegen unterhalb der Vulkaneifel, an Mosel und Rhein (die jährlich Hochwasser führen) und in der Nähe des stillgelegten AKW. Wie resilient ist diese Stadt?

Resilienz mal 7: Was macht eine Stadt lebenswert und überlebensfähig?

17-mal bin ich in den vergangenen 20 Jahren umgezogen. Allermeist aus freien Stücken, auf der Suche nach Inspiration und einem guten Platz zum Leben. Als Journalistin und auch als Moderatorin habe ich zudem Projekte begleitet, mit denen sich Dörfer und Städte „zukunftsfähiger“ und lebendiger machen wollten.  Alles zusammen hat in mir die Frage zugespitzt: Was eigentlich macht eine Stadt lebenswert?  Was macht eine Stadt  überlebensfähig – sodass es sich zu bleiben und etwas aufzubauen lohnt? Resilienz ist die Eigenschaft, die stabile Lebensqualität verspricht. Resilienz ist ein Konzept aus der Psychologie und beschreibt die Fähigkeit, sich Veränderungen anzupassen, ohne sich aufzugeben: „die psychische Widerstandskraft des Einzelnen, individuelle Lebenskrisen durchzustehen, zu überstehen und im besten Fall zu verarbeiten“. Ich mag das Bild vom Schwamm: Er kann viel Flüssigkeit aufnehmen und verändert unter Druck seine Form. Trotzdem bleibt er  ganz er selbst. Der Schwamm absorbiert das Wasser oder geht wieder in seine alte Form zurück, wenn der Druck nachlässt. So erweist sich auch eine resiliente Stadt unter Belastung als elastisch und flexibel, ohne zusammenzubrechen.  Krisenhafte Herausforderungen für die …

Der Laacher-See-Vulkan bricht aus. Und noch 13.000 Jahre später prägt das unser Leben - das begreift der Besucher mit Haut und Haar im Lava-Dome Mendig. Foto: Dorothea Müth

Know your landscape – know your job

Joggen, Sauna, Schäfchenzählen: Es gibt viele Arten abzuschalten und runterzukommen, wenn du Stress hast. Eine besonders wirksame Art wieder ins Gleichgewicht zu kommen ist: deinen Platz in der Landschaft zu finden. Damit meine ich dies: Wer ist hier der Chef? Geh raus und erkunde, wer hier wirklich das Sagen hat. Wenn die kritischen und fordernden Stimmen in deinem Kopf nicht mehr verstummen, wenn du dich Aufgaben nicht gewachsen fühlst… dann geh auf einen Turm, einen Berg oder eine Brücke. Fühle, höre, beobachte mit allen Sinnen: Wer ist hier der Chef? Ist es das Meer, ist es der Rhein, sind es die Autos, die Wolken oder die Sonne? Da, wo ich wohne – am Mittelrhein zwischen Köln und Koblenz – sind es die Vulkane. Ja, immer noch! Wie mächtig und umwälzend die innere Dynamik der Erdkugel im Vergleich zu den menschlichen Innovationen ist, wurde mir mit Haut und Haar im Lava-Dome in Mendig in der Eifel klar: Er führt die Ausbrüche Wingertsbergvulkans vor 200.000 und des Laacher-See-Vulkans vor 13.000 Jahren vor. Bequem lässt man sich für …

Zottiges Fell, große braune Augen und Hörner: Das Bison vermittelt urtümliche Kraft. Foto: Dorothea Müth

Mit Tieren lernen: Wenn Nachrichten in dein Leben fliegen

Manchmal fällt ein Tier besonders auf. Du bewunderst das reine Weiß eines Schwanengefieders, bist fasziniert von der Urtümlichkeit einer Bisonherde oder lauschst einem Specht. Das Tier erregt die Aufmerksamkeit mehrmals hintereinander oder es beeindruckt mit nur einem Mal stark. Diese Begegnung kann dir etwas bedeuten: Es gibt etwas zu lernen von diesem Tier. Es unterstützt dich bei einer aktuellen Frage oder Aufgabe. Wie ? Drei Beispiele: Der Specht klopft ans Herz Es war Neujahr, ein stiller, feuchter, grauer Tag. Es schien, als sei ich die einzige, die an diesem Ende des Westerwalds unterwegs war – verwirrt von den Ereignissen der Silvesternacht; mich fragend, was sie bedeuten und wie ich damit umgehen will. Ich spazierte also „im Walde so für mich hin“, als ein Geräusch mich plötzlich aufmerken ließ. Ich lauschte. Leise und bestimmt drang es von hoch oben zu mir herab: Ein Specht! Ich konnte ihn nicht sehen, sondern nur hören, wie er in vielen Metern Höhe auf einen Baumstamm einhämmerte. Aus meinem Gedankenkreiseln holte mich das irgendwie ins Jetzt. Ich blieb noch eine ganze …